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20 Jahre Studiengang Figurentheater
an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
(Bilddokumentation und Pressetext)
Mit Beginn des Wintersemesters 1983/84 nahm der Studiengang Figurentheater an der Musikhochschule Stuttgart seine Arbeit auf. Er war damals der erste seiner Art in der gesamten westlichen Hemisphäre und sollte den künstlerischen Nachwuchs für die Gegebenheiten eines Berufes ausbilden, der bis dahin überhaupt nur als Volkstradition bekannt war.
1986
Die schöne Helena
Aus „Doktor Faust“ - Die schöne Helena
Foto © 1986 Ingrid Höfer
Selbstverständlich konnte es nicht unser Auftrag sein, vorbewusst gebliebene Subkulturen oder kindliche Ersatzhandlungen zu vermitteln. Künstlerischer Wert liegt im Unverwechselbaren, nicht im Nachmachen von etwas anderem.
1989
Turandot
B.Brecht „Turandot“
Bühnenbild Joachim Fleischer
Foto © 1989 Luzia Simons
Figurentheater löst sich von jeglichem Realismus oder Naturalismus zugunsten einer metaphorischen Überhöhung aller Handlungszusammenhänge. Die leblose und damit animationsbedürftige Theater--figur ist ja immer ein „Objekt“ gewordener, bildhafter Stellvertreter des Menschen: selbst ohne jedes Bewusstsein und von allen Verletzlichkeiten der natürlichen Realität befreit, gerade deswegen aber mit den phantastischsten Ausdrucksmöglichkeiten ausgestattet. Es geht eben nicht um eine naive Vermenschlichung der Dinge, sondern um die zeichenhafte Verdinglichung des Menschen, nicht um Reduktion, sondern um Abstraktion.
1990
Improvisationen mit Material
Improvisationen mit Material
Annette Scheibler u.a.
Foto © 1990 Luzia Simons
1991
Improvisationen mit Material
Improvisationen mit Material
Werner Knoedgen u.a.
Foto © 1991 Luzia Simons
Solche Klarstellungen - noch vor 10 Jahren eine unabdingbare Notwendigkeit - sind heute fast kein Thema mehr. Nach einer langen, bisweilen auch aufreibenden Anfangsphase der Bewusstwerdung, Orientierung und Selbstfindung des Faches ist der Studiengang heute nicht nur international beachtet und geschätzt, es haben sich auch prompt, sozusagen im Gegenzug, zunächst Bildende Künstler und dann nach und nach die großen, arbeitsteiligen Theaterbetriebe in West und Ost immer vernehmlicher für die plötzlich wahrnehmbaren „neuen Nachbarn“ interessiert. Die Stuttgarter Oper (Klaus Zehelein) - sicherlich aus ihrem ganz verwandten, genuinen Hang zu artifizielleren Ausdrucksformen, und dann immer wieder die Junge Oper (Bettina Milz) gehörten zu den ersten, die das Zusammenwirken mit den besonderen Möglichkeiten des Figurentheaters gesucht und realisiert haben. Auch das Schauspiel des Staatstheaters (Friedrich Schirmer) machte bald Angebote, hat mehrfach Frank Soehnle (Spieler, Regisseur und Student der ersten Stunde) eingeladen und bringt noch diesen Herbst unter maßgeblicher Mitwirkung des Studienganges das „Stuttgarter Hutzelmännlein“ auf die Bühne.
1992
Picasso: 4 kleine Mädchen
Projekt „Picasso: 4 kleine Mädchen“
Christine Lohan
Foto © 1992 Luzia Simons
1995
Lug und Trug
Aus „Lug und Trug“
Michael Vogel, Babette Peiker
Foto © 1995 Luzia Simons
1999 ging ein großer Wunsch aus den Gründerjahren in Erfüllung, als zum ersten Mal die Zusammenarbeit mit Komponisten und Musikern (Gert-Ulrich Molsen) der eigenen Hochschule gelang.
Und nicht zuletzt war es ja dann im letzten Jahr die Schauspielschule (Volker Canaris), die einer ansehnlichen Gemeinschaftsproduktion die Wege ebnete: „Der Kleine Prinz“ im Wilhelma-Theater (Wieder-aufnahme im Herbst 2003, anlässlich des Figurentheater-Jubiläums) war sicher ein entscheidender Wendepunkt in der offenkundig nicht nur hervorragend möglichen, sondern auch auf Anhieb erfolgreichen Kooperation zweier Fachbereiche unserer Hochschule.
1999
Improvisationen
mit einer
Schlenkerfigur
Improvisationen mit einer Schlenkerfigur
Foto © 1990 Luzia Simons
Auch wenn die Personalstruktur des Studienganges mit nur einer einzigen Professur und lediglich zwei fest Angestellten für immerhin 20 Studienplätze nicht gerade für eine komfortabel ausgestattete Ausbildungsstätte spricht (alle anderen Dozenten, auch die absolut unentbehrlichen Pflichtfachlehrer, haben lediglich Semester-Verträge), schaut der Studiengang mit großer Zuversicht in die Zukunft. Das öffentliche Interesse an den Ausdrucksmöglichkeiten des Figurentheaters, wie sie schwerpunktmäßig in Stuttgart vermittelt werden, ist in den nunmehr 20 Jahren des Bestehens stetig gewachsen und heute größer denn je.
2001
Schräge Vögel
Straßentheater „Schräge Vögel“
Figur: Sylvia Wanke
Foto © 2001 Werner Knoedgen
Und noch etwas will gesagt sein: Neben all den erfreulich kollegialen Anfragen aus den etablierten Theater-Institutionen nach hoch spezia-lisierten Mitspielern (inzwischen werden die Absolventen ja auch von der ZBF registriert und vermittelt) hat die Stuttgarter Ausbildung in einem wichtigen Punkt ihre Ursprünge nicht vergessen:
Die Berufsausbildung zum Figurenspieler sorgt ja nicht nur für ein Dienstleistungsangebot an bereits funktionierende Betriebe für das nötige Bereitstellen von Animationsexperten also, sondern bietet zugleich auch die Chance zur Eigeninitiative und zur Selbständigkeit in den interdisziplinären und konzeptionellen Bereichen eines ganz persönlichen künstlerischen Ausdrucks, wie es die alljährlichen Abschlussarbeiten der Diplomanden, die beinahe schon turnus-mäßigen Auszeichnungen mit dem Theaterpreis der Stuttgarter Zeitung und die fortwährend wiederkehrenden Stipendien durch die Kunststiftung des Landes deutlich zeigen.
Eine Ausbildung also, die neben dem klassischen Arbeitsmarkt auch den freien Markt mit all seinen Gastspieltheatern, Festivals und besonderen Zielgruppen berücksichtigt, deren Nachfrage sich ja kaum jemals sättigen lassen wird, kann sich in heutigen Zeiten allemal sehen lassen.
Stuttgart, im Oktober 2003
Prof. Werner Knoedgen
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Prof. Albrecht Roser
(links)
Foto © 1995 Luzia Simons
Prof. Werner Knoedgen
(rechts)
Foto © 1995 Luzia Simons
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2002 Der Kleine Prinz
Aus A. de Saint-Exupéry „Der Kleine Prinz“
(v.l.n.r.) Picco von Groote, Holger Schneider,
der Pillenhändler (Figur: Sylvia Wanke), Tobias Weishaupt
Foto © 2002 Luzia Simons
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