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Neu! Opernstudio Staatsoper Stuttgart 2010/11
Eine Kooperation der Staatsoper Stuttgart mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
Zum Wintersemester 2009/10 wurde das Opernstudio Stuttgart neu eingerichtet.
Bewerbung im Rahmen der Anmeldung zur Aufnahmeprüfung
Solistenklasse Opernschule bzw. Gesang
Bewerbungsschluss: 15. Januar 2010 für SS 2010
Aufnahmeprüfung: Februar 2010
Bewerbungsschluss: 15. Juni 2010 für WS 2010/11
Aufnahmeprüfung: vorauss. Juli 2010
weitere Informationen zum Opernstudio
Das Operstudio Stuttgart wird durch die Schwabengarage AG ermöglicht.
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Die Opernschule Stuttgart ist eine der drei Ausbildungsstätten in Deutschland, in denen pro Semester eine
Orchesterproduktion den Studenten die
Möglichkeit gibt, ihre Bühnenausbildung durch praktische Erfahrung zu bereichern.
Bei derzeitig 19 Studenten im Hauptkurs und 2 Studenten in der Solistenklasse
bietet das allen eine veritable Ausbildungschance.
Im November finden drei Agenturvorsingen im Wilhelma-Theater statt, bei denen die Studenten des zweiten
Jahrgangs sich sowohl der staatlichen,
als auch zwei privaten Agenturen vorstellen können.
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Erfolge unserer Absolventen bzw. Noch-Studenten
Ilja Werger wird ab Spielzeit 2010/11 festes Ensemblemitglied für zwei Jahre im Theater Magdeburg
Er wird dort Zauberflöte (Tamino), Traviata (Alfredo), Fledermaus (Alfred), Turandot (Pong), Lucia di Lammermoor (Arturo)
singen.
Byeong In Park ist festes Mitglied im Theater Bremen.
Pinelopi Argyropoulou (Opernstudio) hat inzwischen in Il Trovatore (Ines), Pinocchios Abenteuer (Rosaura) gesungen und
bereitet Figaros Hochzeit (Barbarina), Katja Kabanowa (Fekluscha) vor.
Diana Haller (Opernstudio) singt in der Neuinszenierung Parsifal einen Knappen. Danach wird sie in Katja Kabanowa (Glascha),
in Carmen (Mercedes) zu hören sein.
Sun Yun Park (Opernstudio) hat in Eugen Onegin die Partie Saretzki gesungen, bereitet Carmen (Morales) vor.
Carlos Zapien (Opernstudio) hat in Il Trovatore Ruiz, in Pinocchios Abenteuer gesungen. Er wird in Gegen die Wand im
Kammertheater, und im Figaro (Curzio) singen.
Viktoria Varga singt weitere Vorstellungen Zauberflöte (Königin der Nacht ) in Innsbruck und Budapest.
Ivan Tursic konnten seinen Vertrag am Staatstheater Hannover verlängern, singt dort Macbeth (Malcolm), Carmen
(Remendado), Kaiser von Atlantis (Harlekin), Fidelio (Jaquino), My fair Lady (Freddy) u.a.
Jong Min Lim, nach dem Opernstudio Köln nun im Festengagement in Koblenz, hat nach Wozzeck (Hauptmann), Don Quichotte
(Quichotte), Il matrimonio segreto (Geronimo) nun in Drei Schwestern
(Soljony) gesungen.
Evelin Novak (Internationales Opernstudio Berlin) singt neben Placido Domingo in Simone Boccanegra und im Fernen Klang v.
Schreker.
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Vorschau Juni 2010: La Bohème
LA BOHÈME
Text von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica
Musik von Giacomo Puccini
Eine Produktion der Opernschule
Musikalische Leitung: Bernhard Epstein
Inszenierung: Bernd Schmitt
Bühne & Kostüme: Claudia Philipp
Württembergische Philharmonie Reutlingen
Chor: Studenten der Hochschule und Gäste
Mi-Yeon Baek, Saejoung Choi,
Larissa Ciulei, Mirella Hagen,
Yuna-Maria Schmidt, Hyun-Ouk Cho,
Hyorim Choi, Christopher Kaplan,
Dennis Marr, Caio Monteiro, Kai Preußker,
Daniel Raschinsky, Alexander Schuster,
Oleskandr Shcherbakov, Joun-Seong Shim,
Dionysios Tsaousidis, Patrick Zielke.
Premiere: 13. Juni 2010, Wilhelma Theater
Weitere Vorstellungen:
15., 16.,18.,19.,20.,22. und 23. Juni 2010
Wilhelma Theater
La Bohème
Boheme: das Wort für „ungezwungenes Künstlerleben“ wurde im 19. Jh. aus frz. bohème entlehnt, das seinerseits aus mlat. bohemus
„Böhme“ zurückgeht. Das mlat. Wort bezeichnete auch den „Zigeuner“, offenbar weil die Zigeuner über Böhmen nach Westeuropa
eingewandert sind. Das „Zigeunerleben“ der Pariser Künstler wird schließlich für eine ungebundene Lebenshaltung, für ein
unkonventionelles Milieu bezeichnend.
Duden. Etymologie der deutschen Sprache
Ausgerechnet Bohème, die vielgeliebte, die viel gehörte Bohème, die schmelzige, schmalzige, bis in den letzten Winkel
ausgeleuchtete Bohème. Paris, die Künstler, Weihnachten und über allem schwebend, die bis zur Unberührbarkeit zerbrechliche und
bereits durch ihre erste Ohnmacht nach zwei Minuten auf der Bühne fast nicht mehr auf dieser Welt lebende, hustende Mimi, zum Engel
poliert, aller menschlichen Innereien beraubt und als Schlacht- und Sühneopfer rein und sterbend der Männerwelt auf mattsilbern
glänzendem Klangteppich serviert. Wollen wir das wirklich noch einmal hören?
Und dann: hat eine Opernschule überhaupt eine Chance gegen die Stimmen, die wir verinnerlicht haben, die uns in den Ohren und
Hirnen klingen als ewig gültige Version?
Und doch gibt es einen Punkt, einen vielleicht entscheidenden, zumindest nicht gänzlich unwichtigen Punkt, der eine Opernschule
in die Lage versetzt, genau dieses Werkes sich anzunehmen. Im Vorwort zu ‚Scènes de la vie de Bohème’ von Henri Murger, auf dessen
Roman Puccinis Oper basiert, unterscheidet der Autor sehr deutlich zwischen falscher und echter Bohème. Die falsche Bohème, so
schreibt Murger sinngemäß, grenze sich gegen das Bürgertum durch ihren Habitus ab, den sie als Lebensprinzip verstehe, der aber
nicht selten unfreiwillig entstanden ist, meist aus gescheiterter sozialer Anpassung. Die echte Bohème dagegen lebt diesen Stil nur
der momentanen Not gehorchend, als Übergangsstadium zwischen Berufswahl und der Erlangung von Ruhm und Reichtum. Als Maler,
Schriftsteller und Journalist hatte Murger sozusagen Anteil an fast allen Künsten seiner Bohemiens, mal abgesehen von der Musik.
Und er hatte noch etwas, das er allerdings keinem Bohemien in die Biographie einschreiben wollte. Seine Tuberkulose, an der er
schließlich starb, musste eine andere ihm tragen, die hat er Mimi vermacht. Seine Künstler sollten an ihr Ziel kommen. Sterben
musste der Engel, der auf die Welt gekommen war, uns dieses Leiden abzunehmen. Es lebe die Boheme!
Doch zurück zu unseren Studenten. Stehen sie nicht an dem nämlichen Scheidewege, den auch die Bohemiens aus der Oper vor sich
sehen? Wie ist mein Weg und welche Mittel stehen mir zur Verfügung und welche bin ich gewillt einzusetzen? Um die Beantwortung
dieser Frage aufzuschieben, hat sich die Bohème eine eigene Sprache gebaut. Nichts wird verschont von ihren Wortwitzeleien, die
Kunst nicht und nicht der Hunger, die Bürger sowieso nicht, aber auch nicht die Liebe. Noch jedes Bekenntnis taugt für ein Bonmot.
Ihr gesunder Zynismus baut eine Brücke über den Abgrund der Angst vor der künstlerischen Bedeutungslosigkeit hinüber in das Land,
in dem die Sonne des Ruhmes nie untergehen wird. Auf dieser Brücke lebt heute der Student wie damals der Bohemien. Noch hat jeder
die Möglichkeit abzustürzen oder das verheißene Land zu erreichen. Noch lebt jeder seinen Traum und lässt kein Fest aus, keinen
Streit, kein Wortspiel und keine Frau. Ach ja, die Frauen. Längst haben sie sich auf statt an die Seite der Bohemiens geschlagen
und das Leben und Sterben wieder gleichmäßig unter sich aufgeteilt.
Puccinis La Bohème verhandelt die Sache der Studenten. Sie sind noch keine im Zentrum der Hochkultur angekommenen Gesangsstars
mittlern oder gar höheren Alters, die aus der Warte des abgesicherten Besserwissers sich vielleicht noch einmal virtuos an ihre
Anfänge erinnern. Es sind talentierte junge Menschen, die jetzt zum Sprung ansetzen wie Murgers Bohemiens. Möge ihre Landung weich
sein oder wenigstens ihr Schädel hart!
Bernd Schmitt
Rückblick Februar 2010: La Calisto
La Calisto
Musik von Francesco Cavalli (1602-1676)
Dramma per musica von Giovanni Faustini
Stuttgarter Fassung von Marco Storman, Michael Klubertanz, Miriam Reimers, Werner Knoedgen
Eine Kooperation der Opernschule mit dem Studiengang Figurentheater
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Ein grausamer Krieg hat die Erde verwüstet. Jupiter und Merkur steigen in das besiegte Land herab, um den Schaden zu
begutachten. Dabei stoßen sie auf die vergeblich nach Wasser suchenden Nymphe Calisto. Von der Unschuld Calistos
berauscht, lässt Jupiter eine frische Quelle entspringen, um die schöne Nymphe zu betören. Doch Calisto weist ihn
empört zurück. Jupiter, der so schnell nicht von der Schönen lassen will, nähert sich ihr erneut - diesmal in
der
Gestalt ihrer Herrin Diana. Der Schwindel gelingt. Calisto erliegt seinem Werben und es beginnt ein hocherotisches
Wechselspiel von Verführung, Macht und Unterwerfung. Noch ganz im Rausch der Liebesnacht begegnet Calisto der echten
Diana. Die Herrin der Keuschheit verstößt Calisto ob dieses ungeheuren Verrats aus ihrem Gefolge. Doch auch Diana
pflegt heimlich eine romantische Liebe zu dem Heimatlosen Endimione. Juno, die Gattin Jupiters, hat ebenfalls von dem
amourösen Abenteuern ihres Mannes gehört. Von wilder Eifersucht gepackt reist sie auf die Erde und verwandelt die
einsam durch die Wälder streifende Calisto in einen Bären. Deren einziger Trost bleibt die Hoffnung, am Ende ihres
unglücklichen Lebens als Sternenbild in den Himmel Einzug zu halten.
Die erotische Triebhaftigkeit des Menschen in all ihren Facetten und die damit einhergehenden Mechanismen der Macht
haben Pier Francesco Cavalli und sein Librettist Giovanni Faustini zum Thema ihrer 1651 in Venedig uraufgeführten
Oper gemacht. Cavalli, Schüler von Claudio Monteverdi und mit diesem Schöpfer der venezianischen Oper des 17.
Jahrhunderts, gestaltet die lyrischen Momente romantischer Liebe ebenso wie die Szenen handfester Erotik voller
Abwechslungsreichtum, Ausdrucksstärke und spielerischer Leichtigkeit.
Mit Indra Podewils, Hyun-Ah Kim, Yuna Maria Schmidt, Melanie Schlerf, Leandro Bermudez a.G., Kai Preußker (Sänger) und
Pauline Drünert,
Mirjam Ellenbroek, Laura Oppenhäuser, Stefan Wenzel (Figurenspieler)
Sebastain Gerasch, Schauspieler a.G.
Musikalische Leitung: Michael Klubertanz
Regie: Marco Storman
Figurenszenen: Werner Knoedgen / Sylvia Wanke
Bühne und Kostüme: Kersten Paulsen
Dramaturgie: Angela Löer
Es sangen und spielten Studenten der Opernschule und des Studiengangs Figurenspiel der Staatlichen Hochschule für Musik und
Darstellende Kunst Stuttgart. Es spielten Dozenten und Studenten der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
Arkadien ist abgebrannt. „La Calisto“ im Wilhelmatheater: Die Stuttgarter Opernschule verwandelt Cavallis frühbarockes Stück in
handfest aktualisiertes Regietheater
Der arkadische Wald, in dem Francesco Cavallis frühbarocke Oper „La Calisto“ spielt, ist auf der Bühne des Stuttgarter
Wilhelmatheaters weggebombt. Nur noch ein paar Holzbalken und Baumstämme liegen in der kriegszerstörten Wüstenei. (...)
Michael Klubertanz am Dirigierpult hält die locker gefügten Szenen aus geschmeidigen Dialogen, rezitativischen Monologen und
kantablen Ariosi in Fluss und ließ sich auch nicht durch die eingespielten Bombendetonationen aus der Ruhe bringen. Das
darstellerisch durchweg mitreißende Ensemble aus zwei Schauspielern - Sebastian Gerasch als Merkur und Figurenspieler Stefan Wenzel
als Silvano - und sechs Sängerinnen und Sängern wird munter begleitet vom neunköpfigen Instrumentalensemble, das in der Premiere
nur gelegentlich mal einen Einsatz verhudelte. Kai Preußker als Jupiter erfreut durch seinen gut geführten, wohlklingenden Bariton,
Indra Podewils als seine Gattin durch ihren ausgewogenen, weittragenden Mezzo. Die Soprane Melanie Schlerf als Diana und Hyun Ah
Kim als Pan berühren durch lyrischen Schmelz, während Yuna-Maria Schmidt als Calisto schier Unglaubliches leistet. Ob gefesselt, ob
auf einem Eimer kniend oder einem Tisch liegend mit nassen Papierfetzen im Gesicht: Stets bleibt sie intonationssicher und
ausdrucksstark. Und die Entdeckung des Abends? Zweifellos der junge Kontratenor Leandro Bermudez, der als Gast aus Basel den
hübschen Hirten mit den löchrigen Socken gab: So ungekünstelt, so natürlich hört man einen Mann nur sehr selten mit Kopfstimme
singen.
Verena Großkreutz in der Eßlinger Zeitung vom 9. Februar 2010
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Rückblick Juni 2009: Jewgenij Onegin
Pjotr Iljitsch Tschaikowskij: Jewgenij Onegin
Lyrische Szenen in drei Akten nach dem Versroman von Alexander Puschkin
In russischer Sprache
Musikalische Leitung: Prof. Per Borin
Regie: Matthias Schönfeldt
Es sangen Studenten der Opernschule der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
Es spielte das HochschulSinfonieOrchester und das Stuttgarter Kammerorchester
Bühne und Kostüme: Kersten Paulsen
Dramaturgie: Miriam Schmuck
Nachsicht, Milde, einen Nachwuchsbonus? Brauchen diese Sänger und braucht dieser rundum gelungene Abend der
Opernschule im Stuttgarter Wilhelma Theater ganz und gar nicht: Tschaikowskys „Eugen Onegin“ ist in Matthias
Schönfeldts munterer, detailreicher Inszenierung anseh- und mit den jungen Sängern der Stuttgarter Musikhochschule
außerdem auch ausgesprochen anhörbar geworden. Nach drei Stunden verlässt man die Vorstellung mit dem
beglückten
Gefühl, dass es um den Nachwuchs für deutsche Opernbühnen weiß Gott nicht schlecht bestellt ist - auch wenn
sich
dieser wie hier verstärkt auf Sänger aus Fernost stützen muss.
So singt Byeong In Park die Titelpartie mit viel darstellerischem Engagement und einem sehr ebenen, in Farbgebung und
Intonation freilich noch ausbaubaren Bariton. Dass bei der Premiere am Mittwoch im Ensemble viel Aufregung
mitschwang, meinte man vor allem Hyun Ouk Cho anzuhören, der dem Lenski eine satte Mittellage und ein ansprechendes
baritonales Fundament, zugleich aber auch etliche Unsicherheiten vor allem in der Höhe mitgibt. Sehr dramatisch ist
die Partie der Tatjana mit Larissa Ciulei besetzt, deren kraftvoller Sopran sehr farbreich erblühen, gelegentlich
aber auch etwas scharf wirken kann. Exzellentes leistet Kerstin Wagner als Filipjewna mit ihrem präzisen, leuchtenden
Alt, Juliana Parra singt eine ansprechende Olga, Daniel Raschinsky (Saretzkij) hat richtig großes Potenzial,
Christian Wilms gibt einen guten, wenngleich noch etwas steif wirkenden Triquet, für Gae Hwa Yang als Larina gilt
dasselbe, und vor allem Sung Wook Lim als Gremin stützt den Eindruck, dass die Sänger dieser Produktion sehr
typgerecht besetzt sind.
Simon Zimmermann hatte den Chor aus Studenten und Mitgliedern des Extrachores der Stuttgarter Staatsoper sehr genau
einstudiert - schade nur, dass das aus Hochschulorchester und Stuttgarter Kammerorchester zusammengesetzte Orchester
unter Per Borin mit den hohen sängerischen Präzisionswerten nicht mitzuhalten vermag. Vieles versetzt sich hier nicht
optimal, und vor allem die tiefen Streicher verschleppen das Tempo, trüben die Stimmung.
Da schafft nur der Blick auf die Bühne Abhilfe, denn dort erreicht Matthias Schönfeldt mit bescheidenen Mitteln und
feinfühliger, intelligenter Personenführung Erstaunliches: Da entdeckt Tatjana naschend am Marmeladentopf erstmals
die Lust der Sinnlichkeit; wir erleben mit Onegin und Lenski, wie schnell aus einer Männerfreundschaft eine
Feindschaft werden kann, deren tragische Konsequenz selbst der konziliante Titelheld, der sich zunächst nur mit
Wasserpistole und Kirschkernen bewaffnet, nicht mehr abwenden kann. Derweil spielt der überzeugend individualisierte
Chor munter „Die Reise nach Jerusalem“ und schaut am Ende, einzeln und zu Paaren in die Sitzreihen eines Theaters im
Theater eingereiht, dem Publikum gerade ins Gesicht. Dieses genießt und leidet mit und freut sich beim begeisterten
Schlussapplaus, als die Erleichterung unter den Sängern mit Händen zu greifen ist. Geschafft - und wie!
Susanne Benda am 12. Juni in den „Stuttgarter Nachrichten“


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Rückblick Februar 2009: Die Nacht der Diktatur
Die Nacht der Diktatur
Vier Kammeropern
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Claudio Monteverdi / Torquato Tasso
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Il combattimento di Tancredi e Clorinda (1624)
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Giovanni Battista Pergolesi / Tommaso Mariani
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Livietta e Tracollo (1734)
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Ernst Krenek
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Der Diktator (1926)
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Harrison Birtwistle / Michael Nyman
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Down by the Greenwood Side (1971)
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Mit: Anne Andresen, Hyun Ouk Cho, Fabian Egli, Sungmin Kim, Stefania Kurtikyan a. G., Evelin Novak, Maria Palaska,
Juliana Parra, Indra Sarah Podewils, Kai Preußker, Viktoria Varga, Marija Vidovic-Zuzul, Christian Wilms
Es spielen Mitglieder des HochschulSinfonieOrchesters
der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
sowie Spezialisten für alte Musik
Musikalische Leitung: Prof. Stephan Schmidt (Gesamtleitung) sowie Felix Schuler-Maybier (Pergolesi), Georg Köhler
(Krenek), Kwang-Hyun Kim (Birtwistle)
Regie: Bernd Schmitt
Bühne und Kostüme: Claudia Philipp
Dramaturgie: Miriam Michel
„Gewalt reizt Gewalt, und die stärkere siegt“, tönt der Diktator (Sung-Min Kim) in Kreneks Einakter, und
tatsächlich gründen die Beziehungen aller Figuren des Projekts auf tödlichen Machtspielen. Bei Monteverdi wird sie
in
der mit Holzspänen bedeckten Stierkampf-Arena (Bühne: Claudia Philipp) exekutiert in den Gladiatorenkämpfen der
Kreuzritter und Muslime, artikuliert durch die Schlachtgesänge und kurzen Ariosi Tancredis (Christian Wilms) und
Clorindas (Stefania Kurtikyan). Die dramatische Erzählerrolle wird hier von einer leidenschaftlich erregten Frau
(Juliana Parra) gestaltet, das Barockensemble Trossingen musiziert in Stephan Schmidts Leitung stilsicher.
Bei Pergolesi herrscht die Leichtigkeit der Opera Buffa, die Rezitative hat Regisseur Schmitt recht witzig ins
Deutsche übersetzt, so dass sich Livietta (Marija Vidovic) und Tracollo (Fabian Egli) auch rhetorisch schlagkräftig
bekriegen können. Während das vorwiegend vor dem Vorhang abläuft, weitet sich die Bühne bei Kreneks
„Diktator“, der
von Florian Kunz mit Klavierauszug begleitet wird, per Filmleinwand zur Hochgebirgslandschaft. Birtwistles „Down by
the Greenwood Side“ schließlich hat Schmitt als Musik-Theater-Vaudeville brillant inszeniert. Father Christmas
schwebt Gottschalk-like vom Bühnenhimmel herab und ruft den heiligen Georg auf den Plan, wobei Fabian Egli und
Christian Wilms sich hier auch in parodistischen Sprechrollen effektvoll präsentieren können, desgleichen Hyun-Ouk
Cho als Pitbull-Superman Bold Slasher. Allein Anne Andresen als Mrs Green verfügt über die Macht des Gesangs zum
Ausdruck ihrer Verzweiflung. Die knallige Satire auf Mord und Totschlag wird verschärft durch das fast nur mit
Bläsern besetzte, grell und pointiert aufspielende Hochschulorchester in der Leitung von Kwang-Hyun Kim. Bernd
Schmitt und allen Mitwirkenden ist eine unterhaltsame, vielseitige Aufführung mit guten gesanglichen Leistungen
gelungen.
Dietholf Zerweck am 11. Februar 2009 in der „Cannstatter Zeitung“
Fotos: Monika Brückner


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Rückblick 2008
Gioachino Rossini:
La scala di seta & L’occasione fa il ladro
Musikalische Leitung: Bernhard Epstein
Inszenierung: Matthias Schönfeldt
Bühne & Kostüme: Kersten Paulsen
Studierende der Opernschule
Bläsersolisten der Musikhochschule &
Kurpfälzisches Kammerorchester Mannheim
Premiere: Freitag, 23.5.2008, Wilhelma Theater
Matthias Schönfeld, der zuletzt 1999 im Wilhelma
Theater Puccinis Gianni Schicchi inszeniert hat,
hat eine neue Fassung beider Einakter erarbeitet:
La scala di seta - leider etwas belanglos gerät die Handlung durch das dramaturgische
Missgeschick, dass die Liebesverbindung Giulia-Dorvil von vorneherein (durch
die briefliche Zusicherung der abwesenden aber allmächtigen ‚guten Tante‘) gesichert ist
- spannender wird es, wenn diese Liebe gefährdet ist: durch den Willen des Vormundes,
durch das erotische Knistern bei der Begegnung Giulia-Blansac, durch Dorvils Eifersucht,
durch Germanos Irrtümer. Noch dramatischer, wenn man Giulias Not in ihrer
Arie ernst nimmt: dass sie sich ihrer Wahrnehmungen und Gefühle überhaupt nicht mehr
sicher ist.
Vielleicht kann man das Rad der Verwirrung an diesem Punkt noch weiter drehen,
den Rossini’schen Taumel auf die Spitze treiben, ins Surreale wenden: Die absurde
Situation, sich seiner selbst nicht mehr sicher zu sein, sich im Wechsel von Gefühlen und
Tauschen von Rollen zu verirren....

Pressestimmen:
Gelegenheit macht Liebe
Während Rossinis Ouvertüre Purzelbäume schlägt, fährt Giulia im Rollstuhl nervös im
Quadrat. Eine Strickleiter fährt
vom Himmel herunter. Zeit zum Träumen für die Querschnittgelähmte: Was wäre, wenn? Sie erklimmt
die Sprossen und
landet mitten in den Irrungen und Wirrungen jener Gefühle, die die Sehnsucht gebiert.
Ein starker Auftakt im Wilhelma Theater zu einer rundum gelungenen Produktion der Opernschule der Musikhochschule
Stuttgart. Regisseur Matthias Schönfeldt hat aus zwei Rossini-Operneinaktern ein quirliges Verwirrspiel der
Liebe
namens „L’occasione sulla Scala“ arrangiert. Immer wieder beginnt die Geschichte von vorne: Die
Ankunft Dorvils steht
bevor, den Giulia heiraten soll. So will es ihr Onkel. Sehr zum Schaden des Dieners Germano, der Giulia liebt. Dann
ist da noch der Postmann, der ständig klingelt, und die Kusine, die stört. Fünfmal wird die
Komödie wild
durcheinandergewirbelt: Mal sitzt der Onkel im Rollstuhl, mal der Diener. Mal verliebt sich Dorvil in die Kusine, mal
schäkert Giulia mit dem Briefträger. Mal ist der Richtige der Falsche, und der Falsche der Richtige.
Giulias Träume
aber enden stets im Debakel. Und am Schluss bringt sich der Diener selbst um, weil die Würfel gefallen sind.
Schönfeldt hat die stimmlich hervorragend vorbereiteten Operneleven zu darstellerischer Höchstleistung
animiert:
Fanie Antonelou vermittelte einfühlsam die Facetten der Träumerin Giulia, Dionysios Tsaousidis gab den
Diener molto
italiano, Fabian Egli als Briefträger überraschte durch waghalsige Sprünge ins Nichts. Im
wuselig-variativen
Ensemblespiel glänzten auch Ilja Werger als Dorvil, Silvia Häntsche als Kusine und Tobias Keil als Onkel.
Derweil
sorgte das Kurpfälzische Kammerorchester Mannheim, unterstützt von Bläserstudenten, unter Leitung von
Bernhard
Epstein für Rossinis Geist in der Musik.
Verena Großkreutz in den Stuttgarter Nachrichten vom 26. Mai 2008
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Rückblick Februar 2008
Produktion 2008
Kooperation mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz und dem Theater Konstanz
Dido and Aeneas (Purcell)
Le Cinesi (Gluck)
Musikalische Leitung: Vassilis Christopoulos
Inszenierung: Birgit Kadatz / Bernd
Schmitt
Bühne und Kostüme: Annette Wolf
Orsolya Ercsenyi, Gabor Birta, Maria Palaska, Kerstin Wagner, Viktoria Varga,
Nicola Lobmüller, Jung Bo Hahm, KammerChor Stuttgart (Purcell); Pinelopi Argyropoulou,
Kerstin Wagner, Silvia Häntsche, Ilja Werger (Gluck).
Ein musiktheatralischer Doppelabend, in dem neben der Todesverliebtheit in Purcells Dido and Aeneas und in Glucks
‚Azione teatrale’ dem Spiel im Spiel und der Lust am Fremden gefrönt wird, feiert in Kooperation mit
dem Theater Konstanz und der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz im Wilhelma Theater Premiere. In einer
außergewöhnlichen Zusammenarbeit erhalten junge Nachwuchssolisten die Chance, eine Opernproduktion unter
professionellen Bedingungen und mit Begleitung eines professionellen Orchesters zu erarbeiten und über einen
längeren Zeitraum an verschiedenen Spielorten aufzuführen.
Pressestimmen:
Einen kurzweiligen Opernabend mit zwei Einaktern von Henry Purcell und Christoph Willibald Gluck präsentiert die
Stuttgarter Musikhochschule im Cannstatter Wilhelma Theater. Die Koproduktion mit der Südwestdeutschen
Philharmonie und dem Theater Konstanz besticht durch intelligentes Spiel und
erstaunliche musikalische Qualität. (...)
Pointiert und geschmackvoll wie die Kostüme von Annette Wolf ist auch die musikalische Leitung des jungen
griechischen Dirigenten Vassilis Christopoulos, der mit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz einen
dynamisch federnden Gluck und, klangfarbig verstärkt durch zwei Lautenisten, einen exquisiten Purcell musiziert.
Die Aufführung im Wilhelma Theater ist absolut sehenswert.
Esslinger Zeitung
Dass eine ästhetische Abhandlung so kurzweilig sein kann, liegt auch an den drei Solistinnen und dem Solisten,
die als fortgeschrittene Studierende der Opernschule in Stuttgart neben der sängerischen Profession auch
veritable spielerische Begabung an den Tag legen. Kerstin Wagner als die prollige Lisinga ist einfach eine Wucht und
wartet zudem mit einer weitgehend ausgereiften Altstimme auf. Pinelopi Argyropoulou als zickige Sivene überzeugt
mit girrendem Sopran und strahlender Höhe (...) Ebenfalls mit schönem Potential: Silvia Häntsche, die
als Tangia den eitlen Türken auf dem Motorrad gibt. Und Ilja Werger als Silango singt sich mit einschmeichelndem
Tenor ins Herz.
Zum dritten Mal hat nun also eine Oper als Koproduktion zwischen Südwestdeutscher Philharmonie und Theater auf
die Konstanzer Bühne gefunden - es ist mit Abstand die professionellste.
Südkurier Konstanz

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Rückblick Sommer 2007 - Benjamin Britten: Ein Sommernachtstraum

Benjamin Britten: Ein Sommernachtstraum
Oper in drei Akten (1960)
Libretto: Benjamin Britten und Peter Pears nach William Shakespeare;
Deutsche Einrichtung: Ernst Roth nach der Übertragung von August Wilhelm von Schlegel;
Gesungen in deutscher Sprache.
Premiere: 17. Mai 2007
Anna Escala, Gábor Birta, Ivan Tursic, Byeong-In Park, Sandra Tschernitsch,
Melanie Horner, Cornelius Burger, Jong-Min Lim, Henning Jensen, Patrick Zielke,
Joong-Hwan Yoo, Jung-Bo Hahm, Marcell Bakonyi, Margret Hauser, Kerstin Wagner u.a.
Es spielte das HochschulSinfonieOrchester.
Musikalische Leitung: Robin Engelen;
Inszenierung: Manfred Weiß; Bühne und Kostüme: Kersten Paulsen; Regieassistenz und
Inspizienz: Simon Zimmermann.
Fotos von Monika Brückner

Benjamin Britten über den "Sommernachtstraum"
Ich habe den Sommernachtstraum geliebt. Je älter ich werde, desto mehr liegen
mir Werke der sehr Jungen als auch der sehr Alten. Für mich ist der ‚Sommernachtstraum‘
das Werk eines sehr jungen Mannes, gleichviel wie alt Shakespeare nun gewesen
sein mochte, als er ihn schrieb.
Zur Vertonung eignet sich das Stück meines
Erachtens besonders gut, weil es drei ganz verschiedene Gruppen - die Liebespaare,
die Rüpel und die Elfen - einander gegenüberstellt; Gruppen, die dennoch ineinanderspielen. Aus diesem
Grunde habe ich bei der Komposition für jede
einzelne Gruppe ganz bestimmte, sich voneinander unterscheidende Orchesterfarben verwendet. Beim Sommernachtstraum
stellte sich zunächst die Aufgabe,
das stück auf ein der Opernpraxis angemessenes Ausmaß zu reduzieren; es war notwendig, die
außerordentlich vielfältige Handlung zu vereinfachen und den
Text, wo immer es möglich war, zu kürzen. (...)
Wir hielten uns treu an Shakespeares Text. Keinerlei Schuldgefühl bewegt mich, weil ich das Stück
gewissermaßen halbiert habe Der Original-Shakespeare
wird es überleben. Auch habe ich mich nicht gefürchtet, mich an ein Meisterwerk heranzuwagen, das bereits
von einer eigenen Wortmusik erfüllt ist. Diese
Musik und die von mir geschriebene beween sich auf zwei Ebenen. Ich habe auch nicht versucht, eine mit Worten
definierbare Auffassung des Werkes
auszudrücken. Ich wünsche mir Sänger, die auch spielen können. Mozart, Gluck und Verdi haben
dasselbe verlangt.
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Erfahrungsberichte und weitere Informationen zur Opernschule
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Hochzeitsfeier mit blauem Auge - Gesprächsrunde zur Produktion
Im April 2006 war Premiere dieser Produktion der Opernschule. Der damalige Intendant Volker Canaris sprach mit dem
Regisseur Bernd Schmitt und mit den
Sängern Zuzanna Foremska (Gräfin), Patrick Pobeschin (Graf) und Kristina Susic (Marcellina) über
Handlung, Charaktere und Vorahnungen...
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Don Giovanni und mehr. Das neue Konzept der
Opernschule
(Text: Cordula Pätzold; Artikel aus dem SPEKTRUM vom Winter 2004/05)
Ein Sprung ins kalte Wasser wird es sicher
immer bleiben, wenn ein Student das
erste Mal auf der Opernbühne. Der Weg dorthin
jedoch ist ab Wintersemester 2004/05
wesentlich flexibler als bisher: Das neue dreistufige Modell mit modularer Struktur...
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Vom Balljungen zur Nonne. Erfahrungen in der Opernschule
(Text: Annelies Dille; Artikel aus dem SPEKTRUM vom Winter 2003/04)
Als ich diesmal nach der Dernière unserer Sommerproduktion eine Abschieds- Sonnenblume bekam, war mir
plötzlich
klar, dass ich an diesem Abend wahrscheinlich zum letzten Mal auf der Bühne des wunderschönen Wilhelma
Theaters
stand...
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Rückblick Sommer 2007 - Die Lange Nacht des Betrugs

Die Lange Nacht des Betrugs
Vier Kammeropern
Mozart, Bastien und Bastienne
Menotti, The Medium
Krenek, Schwergewicht oder Die Ehre der Nation
Martinu, Die Tränen des Messers
Melanie Horner, Henning Jensen, Marcell Bakonyi, Kleopatra Papatheologou,
Fanie Antonelou, Silvia Häntsche,
Min-Jung Park, Byeong-In Park, Vahag Bagratuni, Jung-Min Park, Orsolya Ercsényi,
Ivan Turþic, Jung-Bo Hahm,
Nicola Lobmüller, Joong-Hwan Yoo, Henning Jensen, Sandra Tschernitsch, Kerstin Wagner,
Matthias Nenner.
Musikalische Leitung: Miki Hashimoto, Marcin Dobrzanski, Maddalena Abele, Eun-Sun Kim;
Am Flügel: Miki Hashimoto,
Florian Kunz, Wolfgang Wiechert; Regie: Bernd Schmitt; Bühne und Kostüme:
Claudia Philipp; Assistenz und Inspizienz:
Magda Cerná-Spanidis; Dramaturgie: Simon Zimmermann.
Premiere: 26. Januar 2007
Fotos von Monika Brückner
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"Kern suchte nach einem Betrug, konnte aber keinen entdecken."
aus: Bernd Schmitt Kern im Pornoladen
Wenn wir dabon ausgehen, das die Welt sich nur in einem Abbild in unserem Kopf konstituiert, findet dann nicht auch
der Betrug, so es denn einen gibt,
in unserem Kopf statt, statt in der Welt?
Wohl kaum. Denn Bastien war ja tatsächlich beim Fräulein auf dem Schloss (auch wenn niemand dabei war, der
seinen Erfolg bestätigen könnte!)
Jedenfalls ist die Wut der Bastienne genauso real wie ihre Ohrfeigen (dafür allerdings gibt es Zeugen!).
Onkel Colas Glaube, dass er es gewesen sei, der das Liebespaar am Ende durch kluge Ratschläge wieder
zusammengebracht hat, darf getrost unter der Rubrik
Selbstbetrug abgehakt werden.
Bei einem Medium liegt der Verdacht auf Betrug förmlich in der Luft und wenn dieser dann durch die wahrsagende
Dame noch höchst selbst eingestanden
wird, scheint ja alles klar zu sein. Was aber, wenn die Betrogenen den Betrug nicht zugeben wollen? Verkehrte
Welt.
Mit dem Schwergewichtsboxer Adam Ochsenschwanz betreten wir den Bereich des Sports. Im Sport ist Betrug von
vornherein ausgeschlossen. Der Stärkere
gewinnt. Aus. IDeses Werk scheint völlig zu Unrecht in dieses Programm geraten zu sein.
Da im letzten Stück der Teufel mitspielt, "Monsieur Satan", ist dieses stück natürlich a priori ein
Stück über Betrug. Denn der Teufel ist immer der
Betrogene, oder um Eleonores Fazit zu zitieren: Ich bin eine arme, unverstandene Frau! Kein Wunder! Wer sich in einen
Gehenkten verliebt, dem pfeift im
Winter ganz schön der Eiswind durch die Beine.
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Lehrende
Studenten Sommersemester 2010

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