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Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat
„Musical - das glorreichste Wort, das unsere Sprache je hervorgebracht hat!“
(Text: Prof. Harald Lierhammer, Prof. Axel Ruoff; Artikel aus dem SPEKTRUM vom Sommer 2004)
Mit diesen Worten versucht Mr. Marsh
in „42nd Street“ die talentierte Tänzerin
Peggy zur Übernahme der Hauptrolle in
seiner neuen Show zu überreden. Der
Traum vom erfolgreichen Musicalstar
kennzeichnet die überaus erfolgreiche
Show, die derzeit im SI-Zentrum zu
sehen ist. Auch beim Publikum erfreut
sich das Genre Musical nach wie vor
einer großen Beliebtheit. Insofern ist es
nicht verwunderlich, dass sich auch allgemein
bildende Schulen vermehrt an
dieser Form des Musiktheaters versuchen,
da diese bei den SchülerInnen auf große
Motivation stößt. Auch in diesem Schuljahr
stellt das Fanny-Leicht-Gymnasium
– nach der erfolgreichen Produktion von
„Annie“ – ein Musical auf die Beine.
Diesmal steht „Joseph and the Amazing
Technicolor Dreamcoat“ von Andrew Lloyd
Webber auf dem Plan. Erzählt wird die
alttestamentarische Geschichte von Joseph,
der – vom Vater Jakob bevorzugt – einen
wunderschönen Mantel, den „Amazing
Technicolor Dreamcoat“ erhält, was die
Eifersucht der Brüder nur noch steigert.
Sie greifen schließlich zu einer rabiaten
Maßnahme und verkaufen Joseph als
Sklaven nach Ägypten. Dank seiner
Fähigkeit, Träume zu deuten, steigt er
zum Berater des Pharaos auf und sagt die
„sieben fetten und sieben mageren Jahre“
voraus.
Wer meint, dass biblische Geschichten
langweilig sind, der irrt sich gewaltig:
Was Webber und der Texter Tim Rice
aus dieser Story gemacht haben, ist mehr
als irgendein Musical. „Joseph“ ist ein
exotisches Showereignis der besonderen
Art, in der sich mitreißende Musik, farbenprächtige
Bühnenbilder und humorvolle
Songtexte verbinden. Webber
komponierte „Joseph“ ursprünglich für
eine Schulabschlussfeier an seinem College,
doch man hört den Webber des
„Jesus Christ Superstar“ oder „Cats“
schon heraus. Gerade die Arien des
Joseph haben schon Webbersche
Ohrwurm-Qualität, die diesem Frühwerk
einen besonderen Reiz verleiht.
Doch die Schwierigkeit in der Verwirklichung
dieses Schulprojekts besteht in
der fehlenden Partitur bzw. den fehlenden
Einzelstimmen. Beim Verlag existiert
lediglich ein Klavierauszug mit sparsamen
Hinweisen zur Instrumentation.
Durch gezieltes Nachfragen gelang es
Frau Prof. Dr. Scharenberg, die Erlaubnis
zu einer eigenständigen Instrumentierung
durch Studierende der Stuttgarter
Musikhochschule zu erwirken.
Bei einem Meeting sitzen die Studierenden
des Studiengangs Schulmusik über
den Klavierauszügen, wobei die Musiklehrer
des Fanny-Leicht-Gymnasiums die
Zusammensetzung des Schulorchesters
erläutern bzw. was bei den einzelnen
Instrumentalisten zu berücksichtigen ist.
Die Arbeitsteilung gestaltete sich insofern
schwer, da noch nicht abzuschätzen war,
wie viel Arbeit im Einzelnen auf die
Beteiligten zukommt. Allerdings steht
das Projekt unter der Zielsetzung des
„learning by doing“. Egal, ob die Studierenden
instrumentieren oder korrepetieren,
sie werden intensiv mit dem Schulleben
in Kontakt kommen. Am Ende dieser
Kooperation steht auf jeden Fall die Aufführung
eines weltbekannten Musicals,
an dem jeder Einzelne zum Gelingen
beiträgt und somit Einblicke bekommt,
wie motivierend Schule außerhalb des
regulären Unterrichts sein kann.
Die Idee des Projektes wurde durch das
dringende Bedürfnis geleitet, die Fächer
Partiturspiel und Schulpraktisches Klavierspiel
mehr auf die Schulalltagssituation
auszurichten. Die Idee des
„handlungsorientierten Unterrichts“ wird
aus der Schulpraxis in das Hochschulleben
übertragen. Näher kann man
innerhalb des Studiums – abgesehen vom
Praxissemester – der Schule und ihren
alltäglichen musikalischen Rahmenbedingungen
nicht sein. Darüber hinaus
bietet das Fach Musikpädagogik ein
Seminar zum Thema „Musical in der
Schule“ an, dass das Projekt auch von der
musikpädagogischen Komponente her
betrachtet. Es bietet sich also die einmalige Möglichkeit für die Studierenden,
das Erlernte auf Schulpraxistauglichkeit
zu überprüfen und die persönlichen
Kompetenzen auch als eine Standortbestimmung
zu interpretieren: Kann ich
mich auf die instrumentalen Fähigkeiten
meiner künftigen SchülerInnen einstellen,
kann ich gegebenenfalls Kompromisse
eingehen, ohne künstlerische Abstriche
machen zu müssen? Denn der Sprung ins
kalte Wasser gestaltet sich oft wegen der
gewaltigen Kluft zwischen künstlerischem
Anspruch und Schulwirklichkeit
als schwierig.
Freuen wir uns auf
eine erfolgreiche
Aufführung von
„Joseph and the
Amazing Technicolor
Dreamcoat“!
Vier Aufführungen im Juli 2004 in der Filderhalle Leinfelden.
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