Orgelsammlung

    Foto: Hans-Dieter Teschner

    La Signora

    Zur selben Zeit, als wir mit einigen italienischen Orgelbauern wegen des Baus einer Orgel im Stile des italienischen Frühbarock in Kontakt traten, bot der Marburger Orgelbauer Gerald Woehl ein originales Instrument an, welches er schon Jahre zuvor aus einer venezianischen Kirche, die abgerissen werden sollte, erworben hatte. Die Disposition (Registerzusammenstellung) dieses Instrumentes, welches gegen Ende des 18. Jahrhunderts von einem anonymen Meister erbaut worden war, deckte sich fast vollständig mit der von uns für eine Stilkopie entworfenen Musterdisposition. Mehr...

    Die sensible Strenge aus dem Norden

    Diese Orgel wurde 1997 von Jürgen Ahrend (Leer-Loga) in stilistischer Anlehnung an den bedeutendsten norddeutschen Orgelbauer des Barock, Arp Schnitger, erbaut. Ahrend hat etliche Schnitger-Orgeln restauriert, er gilt als der beste Kenner dieses Stils. Ihr Klang zeichnet sich durch klare Frische aus, man meint beim strengen Glanz der Mixtur eine steife Brise Seeluft durch den Raum ziehen zu spüren. Gleichzeitig ist sie aber auch ein äusserst sensibles Instrument, denn um sie nicht zu laut werden zu lassen, hat der Orgelbauer einen sehr niedrigen Winddruck gewählt. Mehr...

    ...und ihre mitteldeutsche Cousine

    In der ursprünglichen Konzeption des Orgelensembles war keine Orgel speziell für die Interpretation der Musik J. S. Bachs vorgesehen, weil es so etwas wie „die“ Bach-Orgel nicht gibt und weil die norddeutsche und die französische Orgel die Musik Bachs auch relativ gut darstellen lassen. Im Gefolge der deutschen Wiedervereinigung wuchs jedoch das Bewusstsein für die spezifischen Eigentümlichkeiten der mitteldeutschen Orgellandschaft, in der Bach grossgeworden ist. Glücklicherweise wurde es 2006 möglich, in einem ausreichend grossen Raum im zweiten Bauabschnitt eine Orgel zu erstellen, welche diese Lücke schliesst, die, wie sich mittlerweile gezeigt hat, doch gravierender war als anfangs angenommen. Mehr...

    Die gemütvolle Elsässerin

    Frankreich hat in der Zeit von Louis XIV. bis zu Revolution eine grosse, sehr eigenständige Orgeltradition entwickelt, die zu studieren für einen jungen Organisten wegen ihrer besonderen Charakteristika (Ornamentik, rhythmische Fragen) unabdingbar ist. Auch im Orgelbau gab es in Frankreich eine ganz eigene, auch vergleichsweise sehr homogene Entwicklung. Klanglich zeichnet sie sich durch eine Vielzahl von nasalen Timbres aus, die deutlich von der französischen Sprache inspiriert sind und orgelbaulich durch bestimmte Obertonkonstellationen sowie durch zahlreiche Zungenregister (Trompete, Krummhorn, die stark näselnde Voix humaine) realisiert wurden. Mehr...

    Die Geschmeidige

    Sie ist die kleine Schwester der Konzertsaalorgel, aber auch eine Nachfahrin der französischen Barockorgel. Eine symphonische französische Orgel in einem kleinen Unterrichtsraum ist fast ein Widerspruch in sich, denn dieser Typ, wie er exemplarisch durch Aristide Cavaillé-Coll, den berühmtesten französischen Orgelbauer des 19. Jahrhunderts,  definiert worden ist, ist auf grosse Kirchenräume hin angelegt. Nun zeigt aber die seit fünfzehn Jahren wieder restauriert zugängliche Hausorgel des bedeutenden französischen Komponisten Jehan Alain (1911-1940), deren Kern auch ein Instrument Cavaillé-Colls ist, dass sich das typische „Parfum“ dieses Orgelstils auch in einem kleineren Raum durch ein intimeres, in der Lautstärke gezähmtes Instrument entwickeln läßt. Mehr...

    Die mollige Schwäbin

    Der romantische Aufbruch in Deutschland, sichtbar zuerst in der Literatur, aber auch in Geschichte und Politik im Gefolge der Napoleonischen Kriege, hatte seinen vielleicht wichtigsten Ausgangspunkt zur gleichen Zeit in Ludwigsburg in der Gestalt von Eberhard Friedrich Walcker, dem wichtigsten deutschen Orgelbauer um die Mitte des 19. Jahrhunderts.  Seine Orgeln zeichnen sich durch eine reiche Palette an 8‘-Labialstimmen, d.h. an fein abgestuften, vor allem leisen Farben in der Grundtonlage aus. Mehr...

    Die Mimose

    Die 1996 von Johannes Rohlf (Neubulach) erbaute Orgel sollte trotz bescheidener Registerzahl drei Manuale bekommen, damit auch das Üben komplexer Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts möglich ist. Dies wurde dadurch erreicht, dass das 3. Manual die Pedalregister enthält, allerdings bis a‘‘‘ ausgebaut, ein Konzept, welches Rohlf schon bei mehreren Orgeln realisiert hat. Mehr...

    Das Orgelpositiv

    Sie ist die einzige Reisende unter unseren Orgeln, steht normalerweise in einem kleinen Überaum, darf sich aber gelegentlich auch im glanzvollen Licht des Konzertsaales präsentieren. Die von Armin Hauser 1997 erbaute transportable Truhenorgel hat zu Continuo-Zwecken eine verschiebbare Klaviatur, womit sie in zwei Stimmtonhöhen (415/440 Hz) gespielt werden kann, was für Ensembles mit alten Instrumenten wichtig ist. Mehr...

    Das treue Arbeitspferd

    Die ehemalige Hauptunterrichtsorgel aus dem Altbau, 1972 von der inzwischen erloschenen Leinfeldener Traditionsfirma Weigle erbaut mit 36 Registern auf 3 Manualen, blickt nun schon auf fast 40 Jahre klaglos geleisteter Schwerarbeit zurück. Auf ihr ist sicher soviel gespielt worden wie auf einer normalen Kirchenorgel in 300 Jahren. Nun muss sie als Kellerkind im zweiten Bauabschnitt hauptsächlich zu Übezwecken weiterrackern. Mehr...

    Die Unbestechliche

    Die 1986 von Eduard Wiedenmann erstellte dreimanualige Orgel mit 15 Registern ersetzte damals eine abgespielte kleine Orgel mit elektropneumatischer Spieltraktur (die Verbindung zwischen Taste und dem Ventil unter den Pfeifen geschieht nicht wie bei allen unseren anderen Orgeln mit einer direkten mechanischen Verbindung, sondern mittels in Bleiröhrchen geführter Druckluft, folglich mit winziger Zeitverzögerung). Mehr...

    Das Chamäleon

    Die Früchte ihrer jahrelangen Arbeit an der Vervollkommnung ihres Orgelspiels dürfen – oder müssen - die Studenten auf der Konzertsaalorgel unter Beweis stellen. Hier finden nahezu alle Abschlussprüfungen im Orgelliteraturspiel statt, und deshalb muss diese Orgel wie eine gute Schauspielerin in viele verschiedene Rollen schlüpfen können.Das Problem einer solchen „Universalorgel“ ist, daß sie zwar theoretisch das gesamte Orgelrepertoire bedienen soll, dies aber dann im Einzelfall niemals mit der gleichen Qualität wie stilspezifische Instrumente leisten kann. Mehr...