Veranstaltungen

    VERANSTALTUNGEN
    oder
    Do 07.11
    20:00 Uhr
    Konzertsaal
    Judith Ingolfsson, Violine & Vladimir Stoupel, Klavier
    5/10 €
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    Die Zeiten des Krieges

    Rudi Stephan (1887-1915)
    Groteske für Violine und Klavier (1911)

    Stephan galt als eine der großen Komponistenhoffnungen seiner Generation. Er wuchs in Worms als Sohn einer gutsituierten Juristenfamilie auf. Er studierte Komposition bei Bernhard Sekles an Dr. Hoch's Konservatorium in Frankfurt am Main und bei Rudolf Louis in München. Rudi Stephan lebte bis 1914 in München, wo er 1911 erste Kompositionen vorstellte. Er fiel im Alter von 28 Jahren im Ersten Weltkrieg.

    Leoš Janáček (1854-1928)
    Sonate für Violine und Klavier (1914)
    I. Con moto
    II. Ballada
    III. Allegretto
    IV. Adagio

    Die Sonate für Violine und Klavier fällt in die Zeit zwischen 1913 und 1914, den Beginn des Ersten Weltkrieges. Vollendete wurde sie aber erst nach acht Jahren und zahlreichen Überarbeitungen. Zunächst entstanden der zweite Satz der Sonate und das abschließende weihevolle Adagio. Mancher vermutete hier im schroffen Eingreifen der Geige (Vortragsvorschrift: con sordino feroce), Janáček stelle das Donnern der russischen Artillerie dar. Als leidenschaftlicher Befürworter des Slawischen hieß Janáček nämlich die Beteiligung der Russen am Krieg willkommen, die endlich ein Ende der Herrschaft der verhassten Habsburger über die tschechischen Gebiete bringen sollten.

    Albéric Magnard (1865-1914)
    Sonate für Violine und Klavier op. 13 (1901)
    I. Large – Animé
    II. Calme
    III. Très vif
    IV. Large – Animé

    Albéric war der Sohn von François Magnard, Bestsellerautor und Herausgeber von "Le Figaro". Er studierte am Pariser Conservatoire bei Théodore Dubois, Jules Massenet und Vincent d'Indy, dem auch Magnards 1. Sinfonie c-Moll gewidmet ist. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs bewachte Magnard sein Anwesen in Baron. Als deutsche Soldaten es betraten, schoss er auf sie und tötete einen von ihnen. Darauf feuerten diese zurück und setzten das Haus in Brand. Es ist davon auszugehen, dass Magnard in diesem Feuer umkam, obwohl sein Körper in der Ruine später nicht mehr identifiziert werden konnte. Das Feuer zerstörte Magnards unveröffentlichte Partituren, etwa die frühe Oper "Yolande", zwei Akte von "Guercœur", wie auch einen später komponierten Liederzyklus.

    Der erste Preis beim renommierten Internationalen Violinwettbewerb in Indianapolis im Jahr 1998 bedeutete für Judith Ingolfsson den endgültigen Durchbruch: Die Auszeichnung  markiert den Beginn ihrer beachtlichen internationalen Konzertkarriere. Seither wird sie ihrem Ruf als Künstlerin mit musikalischer Reife, außergewöhnlich guten technischen Fähigkeiten und charismatischem Auftreten stets gerecht.
    Judith Ingolfsson spielt regelmäßig auf den großen Bühnen in aller Welt, darunter z. B. das Konzerthaus Berlin, die Tokyo Opera City, die Carnegie Hall in New York und der  Kennedy Center in Washington D. C.. Konzerte führten sie bislang durch fast die gesamte USA, nach Deutschland, in die Tschechische Republik, nach Russland, Japan, Ungarn, Island, Puerto Rico, Panama und Macao. Sie arbeitet als Solistin kontinuierlich mit großen Orchestern und namhaften Dirigenten wie Wolfgang Sawallisch oder Leonard Slatkin.
    Ihr Musikstudium absolvierte Judith Ingolfsson beim legendären Violinisten und Pädagogen Jascha Brodsky am Curtis Institute of Music in Philadelphia und bei David Cerone und Donald Weilerstein am Cleveland Institute of Music. Neben der Goldmedaille in Indianapolis erspielte sie sich zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. den 1. Preis bei der Concert Artists Guild Competition in New York und den 3. Preis bei dem internationalen Violinwettbewerb Premio Paganini in Genua.
    Seit Oktober 2008 ist Judith Ingolfsson Professorin an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart. Sie spielt eine Lorenzo-Guadagnini-Violine von 1750.

    Der in Russland geborene Pianist und Dirigent Vladimir Stoupel zeichnet sich
    durch außerordentliche Vielseitigkeit, kompromisslose musikalischer Intensität und technische Virtuosität aus. Seine Kunst steht für überraschende und emotional geladene Interpretationen im Rahmen eines klassischen und modernen Repertoires. Vladimir Stoupels Repertoire ist ungewöhnlich umfangreich und vielfältig. Es umfasst insbesondere auch vergessene Kompositionen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und schließt viele von der Nachkriegs-Musikgeschichte ins Unbekannte verwiesene, aber dennoch gleichermaßen kompositorisch hochwertige wie virtuose Werke ein.
    Als Konzertsolist ist Vladimir Stoupel regelmäßig Gast bei führenden Orchestern in Europa und in den USA (darunter z.B. die Berliner Philharmoniker, das Gewandhausorchester Leipzig und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks) und bei internationalen Musikfestivals (Bargemusic-Festival New York, Berliner Festwochen, Printemps des Arts in Monte Carlo, Helsinki-Festival). Über seine solistische Tätigkeit hinaus ist Vladimir Stoupel als ausgezeichneter Kammermusiker und Dirigent bekannt. Bei audite veröffentlichte er eine hoch gelobte Gesamtaufnahme der Skrjabin-Klaviersonaten; seine Einspielung der Werke von Henri Vieuxtemps für Bratsche und Klavier mit Thomas Selditz wurde mit dem „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ ausgezeichnet.  Vladimir Stoupel ist seit 1985 französischer Staatsbürger und lebt heute in Berlin.